wuestenstrom ist eine Organisation, die von Betroffenen für Betroffene gegründet worden ist. Wir haben uns die Themen nicht angelesen, sondern sind den Weg der Veränderung selbst gegangen. Was uns bewegt hat und bewegt, ist die Frage, wie wir in uns das Wissen um eine Identität als Frau und Mann aufbauen können. Unser Leben prägte eine konflikthaft empfundene Sexualität und Abhängigkeiten zu anderen Menschen (z.B. Homosexualität, Bi-, Heterosexualität). Wir arbeiten auch mit Sex- und Pornosüchtigen, wobei diese Themen in der Herangehensweise unter keinen Umständen vermischt werden dürfen! Die Arbeit mit homosexuell Empfindenden und Süchtigen kann weiter nicht auseinanderliegen.

Der heute gerne in den Medien dargestellte Schwule, der in verbindlicher Partnerschaft lebt und einen Kinderwunsch hegt, stellt nach Erfahrungen die wir fast täglich machen, nur ein ganz kleiner Ausschnitt eines sehr breit gefächerten Spektrums schwuler Lebensart und Sehnsucht dar. Fast täglich hören wir eben auch die anderen Geschichten… Von Leid, Beziehungsängsten, Ablehnung, Hemmungen, Verletzungen, Ängsten, Kränkungen – die wohlgemerkt nicht auf der politischen, religiösen oder gesellschaftlichen Ebene (das sicher auch) stattfinden, sondern von Mensch zu Mensch, eben gerade auch unter Schwulen – auf Partnersuche oder auch nicht. Wir hören eben auch von Ausbeutung und Erpressung, von Gewalt und Manipulation. Diese Betroffenen haben keine Lobby und darum auch keine Stimme. Sie ringen besonders einsam um Antworten auf ihre Fragen und Ängste. Es ist bei weitem nicht so, dass die Schwulen untereinander das geben, was sie von der Gesellschaft fordern. Und darüber zu reden, ist ein absolutes Tabu. Selbst die, die vorn herum besonders laut verkünden: Gott schafft und liebt Schwule, sind im stillen Kämmerlein selbst sehr oft massiv unsicher, ob die eigene Parole auch wirklich stimmt. Auch solche Geschichten kommen uns zu gehör. Und hinter jeder dieser Geschichten, steht ein Mensch! Wer hört ihm zu – Jenseits einer Lobby und jenseits von gesellschaftlichen Tabus?

Aus diesen Begegnungen und Erfahrungen heraus ist der Satz entstanden: Wer sich für die Schwulenehe und Adoption einsetzt, setzt sich eben gerade nicht für DIE Schwulen ein – sonder lediglich für eine Minderheit einer Minderheit.

Und dann möchte ich auch etwas über die Schwulenpolitik sagen! In meinen Streifzügen durch das Internet finde ich manch Wissenswertes, das gebündelt zugänglich gemacht werden sollte. Der Autor Werner Hinzpeter schreibt in seinem Buch „Schöne schwule Welt“ (http://www.querverlag.de/pdf/schoene.pdf): „Niemand widerspricht den Schwulenverbänden. Darum können sie masslos übertreiben.“ Einseitig und ungeprüfte prohomosexuelle Behauptungen bekommen Sie jede Menge. 95% der Presse steht unkritisch hinter der Schwulenbewegung. Oder anders gesagt: Schwulen-Organisationen können den meisten Journalisten direkt in den Block diktieren. Dieser Blog will aus diesem Grund gerade andere Gesichtspunkte aufzeigen. Dieses selbständige Denken und Reden, wird uns gerne als Homophobie, als Diskriminierung ausgelegt (https://www.wuestenstrom.ch/blog/schwulenehe/david-berger-schwulenlobby-konservativer-als-katholische-kirche/). Sicher ein politisch cleverer Schachzug. Andererseits möchte ich hier gerade Rosa Luxemburg zitieren: „Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden!“ Das steht heute aber mehr denn je auf dem Spiel.

Jegliche Diskriminierung von Betroffenen liegt mir fern! Ich werde aber nicht verhindern können, das meine Texte, oder von anderen übernommene Texte, dahingehend missbraucht werden können. Mir ist bewusst, dass manche Betroffene jede Form des Widerspruchs und meines eigenen, kritischen Denkens als Diskriminierung empfinden. Denn das ist leider politische Strategie! Leider ist das eine sehr erfolgreiche Strategie, jegliche Diskussion und Kritik abzuwürgen, um sich damit als Opfer sehen zu können. Diese Opferhaltung ist absolut schädlich und verhindert jede Selbstverantwortung.

Die, die mich kennen, haben erfahren, dass ich keine homophoben Anteile haben. Und ich beuge mich nicht dem Urteil von Leuten, die mich überhaupt bzw. nur aus den Lügen der Presse her kennen. Lediglich eine Journalistin hat mich in all den Jahren ernsthaft nach meinem Lebenslauf gefragt, nur eine hat ernsthaft wissen wollen, wie ich arbeite und nach meinen Ansichten geforscht (was ja theoretisch eine Grundregel investigativen Journalismus sein müsste). Deren Artikel kaufte keine Zeitung!