Wir haben eine sehr erfreulich Nachricht zu machen! Die Schwulen werden nur noch wenig diskriminiert: Und das ist gut so! Das ist doch eine Erfolgsmeldung. Schön, könnten wir sagen, da ist auch eine Arbeit erfolgreich gelaufen. Wir freuen uns über den Wandel unserer Gesellschaft.

Aber, vielleicht haben sie noch gar nichts von diesem Erfolg gehört. Die Medien, die sonst über jeden schwul verwendeten Hosenknopf auf der ganzen Welt berichten, mühsam zusammenrecherchiert, schweigen international. Hallo, mag man zurufen wollen: Ihr habt eine sehr sehr wichtige und endlich erfreuliche Botschaft übersehen! Nun, da geht es Ihnen gleich, wie z.B. dem LSVD, dem Lesben und Schwulenverband in Deutschland. Die und viele andere schwul bewegte haben davon noch nichts gehört.

Was ist passiert? Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat am 19. April eine Pressekonferenz gehalten. Sie waren besorgt um die zunehmende Diskriminierung innhalb unserer Gesellschaft, dokumentiert in einem knapp 30-seitigen Papier: „Diskriminierungserfahrungen in Deutschland – Erste Ergebnisse einer repräsentativen Erhebung und einer Betroffenenbefragung“. Diskriminierung, ist da zu lesen, sei in Deutschland weit verbreitet. Ich denke, das wird auch in der Schweiz nicht viel anders sein.

Aber, wer das Papier genau liest, findet auf Seite 10 ein Hoffnungsschimmer: „Eine Analyse für das Diskriminierungsmerkmal der sexuellen Orientierung ist leider nicht möglich, da die Zahl der Personen, die angegeben haben, homosexuell oder bisexuell zu sein, in der Repräsentativbefragung zu gering ist, um verlässliche Aussagen treffen zu können.“ Ja, genau. Die Zahlen sind zu klein, statistisch nicht auszuwerten. Und das, obwohl sie zu einem rechnerischen Trick gegriffen haben. Aufgefallen? Oder schon so indoktriniert, dass es in Fleisch und Blut übergegangen ist? Sie zählen fröhlich homo- und bisexuelle zusammen. Aber nicht mal so werden sie zur rechnerisch zu verwendbaren Grösse.

Tja… und gleichentags las ich in einer Pressemitteilung von besagtem LSVD:

Studie: Diskriminierung ist alltäglich und weit verbreitet

Antidiskriminierungsgesetz (AGG) stärken und Nationalen Aktionsplan voranbringen

Anlässlich der heute von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes vorgestellten ersten Ergebnisse der Studie „Diskriminierungserfahrungen in Deutschland“ erklärt Uta Schwenke, Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD):

 

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich: Diskriminierung ist längst nicht überwunden. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) drängt daher darauf, dass die im Koalitionsvertrag versprochene Erweiterung des Nationalen Aktionsplans gegen Rassismus um die Themen Homo- und Transphobie nun umfassend in Angriff genommen wird. Es braucht von Seiten der Bundesregierung ein zielgenaues Maßnahmenprogramm mit konkreten Zielvereinbarungen, mit verbindlichem Zeitplan und Selbstverpflichtungen der staatlichen Stellen. 

Zudem weist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) noch erhebliche Lücken auf. Wir fordern ein echtes Verbandsklagerecht. Zudem gibt es weitere und ungerechtfertigte Ausnahmen vom Diskriminierungsschutz für Beschäftigte im kirchlichen Bereich bzw. von Einrichtungen religiöser Träger. Dabei finden gerade bei katholischen Arbeitgebern besonders schwerwiegende Diskriminierungen homosexueller Beschäftigter statt. Die Lücken im AGG müssen geschlossen werden. Auftragsvergaben aus Mitteln der öffentlichen Hand und die Förderung von Institutionen müssen daran geknüpft werden, dass Antidiskriminierungsgrundsätze beachtet werden. 

Die Studie zeigt, dass die Benachteiligungen aufgrund der sexuellen Orientierung überdurchschnittlich häufig in der Öffentlichkeit und im privaten Bereich sowie als hate speech in den sozialen Medien vorkommen. Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Transgender sind vielfältig und erschöpfen sich nicht in Homo- und Transphobie. Sie sind keine homogene Gruppe, sondern erfahren gleichzeitig auch Benachteiligung aufgrund der anderen im AGG genannten Merkmale, d.h. aufgrund von Geschlecht, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung und/oder Alter. 

Insgesamt haben bei der Befragung über 18.000 Menschen ihre Diskriminierungserfahrungen berichtet, darunter über 20% nicht-heterosexuelle Menschen. Zur Teilnahme hatte auch der LSVD aufgerufen.“

Ich habe mir länger die Augen gerieben. Dieser Text, als Studie vorgestellt, muss von einer anderen Untersuchung reden. Diese Studie, die der LSVD erwähnt, ist uns irgendwie entgangen. Denn, täte sie von der gleichen „Erhebung“ sprechen, müssten wir den Fakt zur Kenntnis nehmen, dass trotz Aufruf des LSVD (So kann jeder eine Studie, Umfrage oder Erhebung zu seinen Gunsten beeinflussen!!!) viel zu wenig Diskriminierung stattfindet.

„Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) ist ein Bürgerrechtsverband und vertritt die Interessen und Belange von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI).“, heisst es in der Pressemitteilung. Nein, mich vertreten sie nicht und ich mag nicht so vertreten werden.

 

 

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