Prof. Dr. Markus Zehnder (Altes Testament) hat sich sehr in das Buch von Valeria Hinck vertieft und eine profunde Rezension geschrieben.

 

Ein Auszug aus seiner Schlussbemerkung: „Insgesamt hinterlässt Hincks Buch nicht den Eindruck, dass hier eine Diskussion des Themas Homosexualität vorliegt, die eine Brücke zwischen ”Schwulenlobby” und ihren Kritikern im Bereich der christlichen Kirche bauen könnte. Hinck steht bei allem von ihr erwiesenen Respekt für biblische Traditionen in der zur Debatte stehenden Frage fest auf der einen Seite der Diskussionslinie. Ihre Verteidigung dieser Seite trägt ab und zu Züge von Selbstmitleid, oft von Selbstgerechtigkeit und Anklage gegenüber der Gegenseite. Es sind immer die Kritiker, die sich in Frage stellen lassen müssen, nie die, die für Homosexualität in ihrer ”gemässigteren Form”, nämlich in einer auf nicht-promiskuitive, dauerhafte Partnerschaft abzielenden Variante, eintreten. Die biblischen Kernstellen zum Thema werden rasch, selektiv und ohne exegetischen Tiefgang abgehandelt. Umso mehr Raum nimmt der Hinweis auf Bibeltexte ein, die ein buchstabennahes Verständnis ethischer Texte im Prinzip untergraben wollen, und von denen aus willkürlich erscheinenende Bezüge zur Frage der Homosexualität hergestellt werden. Eine im engeren Sinne theologische Perspektive, bei der einerseits die Dimension der Ewigkeit, andererseits diejenige der dynamischen Veränderungskraft des Geistes Gottes in Erscheinung treten, fehlt weitestgehend. Ebenso bedauerlich ist, dass durchweg für die ausserhalb des Bereiches der Exegese liegenden Behauptungen Hinweise auf empirische Daten grundsätzlich fehlen. Damit aber bleiben Hincks Behauptungen über Ansichten und Verhaltensweisen von Kritikern homosexueller Praxis und über Empfindungen Homosexueller eben das: reine unüberprüfbare Behauptungen. Dass Hincks Ideal einer monogamen, auf Dauer angelegten Partnerschaft in der gelebten Wirklichkeit der homosexuellen Welt auch unter den Bedingungen ihrer weitestgehenden Akzeptanz in der modernen westlichen Welt eine absolute Randerscheinung darstellt, untergräbt ihre Argumentation im Kern. Somit bleibt die den Ausführungen Hincks vorangestellte warme Empfehlung des Buches durch Klaus Douglass an Leser, die sich einem traditionellen Bibelverständnis verbunden fühlen, für den Rezensenten ein Rätsel.“

Rezension zu Streitfall Liebe von Prof. Dr. theol. Markus Zehnder

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