Alkohol, nackte Haut und Feiern bis der Arzt kommt: Laut Jean-Claude Carreira, schwuler Politiker der SVP, wirft das Zurich Pride Festival ein schlechtes Bild auf Homosexuelle. Politisch erreiche man so nichts.

Am Samstag wird Zürich wieder in die buntesten Farben getaucht. Anlässlich der Zürcher Gay Pride demonstrieren Schwule und Lesben für mehr Adoptionsrechte und feiern, was sie im Kampf gegen Diskriminierung schon alles erreicht haben. Dabei werden auch wieder viele Paradiesvögel, Transvestiten und Drag Queens ausgelassen mittanzen. Jean-Claude Carreira, schwules Mitglied der Jungen SVP, ist dies laut dem «Tagblatt der Stadt Zürich» ein Dorn im Auge: «Den meisten geht es nicht um die Kundgebung, sondern um die wilde Party, die halb nackten Körper und den Alkoholkonsum.» Viele Schwule aus seinem Bekanntenkreis würden nur an die Parade gehen, um zu feiern und sich zu besaufen: «Aber wie soll man Homosexuellen zutrauen, Kinder aufzuziehen, wenn sie sich so aufführen?»

Der bekennende Homosexuelle Carreira befürchtet, dass bestehende Stereotypen bloss noch verstärkt werden: «Aus dem Fernsehen kennt man Schwule als Paradiesvögel, die sich auffällig kleiden und viel Party machen. Das Zurich Pride Festival trägt nichts zur Änderung dieses Bilds bei.»

Seiner Meinung nach gibt es in der Schweiz sowieso kaum noch einen Grund, gegen Diskriminierung zu kämpfen, da diese nur noch in wenigen Einzelfällen zu beobachten sei. Falls man sich jedoch trotzdem für die Gleichstellung von Homosexuellen einsetzten möchte, solle man dies auf dem politischen Weg tun: «Denn wenn jeder seine Anliegen mit einer Parade zum Ausdruck bringen würde, könnten wir jedes Wochenende demonstrieren.»

Carreira von Homosexuellen beleidigt

Alan Sangines, Vizepräsident des Zurich Pride Festivals und SP-Gemeinderat, stossen solche Aussagen sauer auf: «Das ist natürlich völliger Blödsinn. Durch die Demonstration machen wir auf die immer noch weit verbreitet Diskriminierung aufmerksam.» Gleichzeitig feiere man, was in der Schweiz schon alles erreicht wurde. Die Sorge, dass bei der Zürcher Gay Pride ein falsches Bild von Homosexuellen vermittelt wird, hat er keine: «Heteros werden auch nicht diskriminiert, wenn sie an der Street Parade tanzen.»

Auch von der Gay SVP erhält Carreira keine Unterstützung. Die Gay SVP habe als Verein zwar keine konsolidierte Meinung zur Parade, laut Präsident Beat Feurer müsse man aber gerade vor dem Hintergrund der Demonstrationen in Frankreich ein Zeichen setzten: «Ich stelle fest, dass in Europa die Gleichberechtigung wieder mehr infrage gestellt wird. Ich finde das beängstigend.»

Diskriminierung kennt auch Carreira. Als Reaktion auf seine Aussage zur Zürcher Gay Pride habe er Mails erhalten, die teilweise auf unterstem Niveau gewesen seien. «Viele Schwule fordern Toleranz, sind aber selbst extrem intolerant», so Carreira. (ame)

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