21. Juni 2013

Orlando/Tamm/Reichelsheim (idea) – Die größte christliche Dachorganisation in den USA, die Schwulen, Lesben und Transsexuellen zu einer heterosexuellen Orientierung verhelfen wollte, hat sich aufgelöst. „Exodus International“ (Orlando/US-Bundesstaat Florida) mit zuletzt rund 260 Mitgliedsverbänden bot Homosexuellen an, durch Seelsorge und Gebet heterosexuell werden zu können. Am 19. Juni bat Exodus-Präsident Alan Chambers Homosexuelle um Vergebung für das „Trauma“, das man ihnen zugefügt habe. Schwule und Lesben, die mit dem Versuch heterosexuellen Lebens gescheitert sind, hätten ihm von Scham und falschen Hoffnungen berichtet. Der 41 Jahre alte Chambers ist verheiratet, fühlt sich aber nach eigenem Bekunden weiterhin von Männern angezogen.

Deutsche Einrichtungen kritisieren Exodus-Methoden

Auch in Deutschland gibt es christliche Organisationen, die Homosexuellen, die unter ihrer Orientierung leiden, zu einer Veränderung helfen wollen. Sie setzen auf Psychotherapie und Seelsorge und stehen nicht in Verbindung mit Exodus International. Deren Methoden lehnen sie ab. Wie der Vorsitzende der Organisation „Wüstenstrom“, Markus Hoffmann (Tamm bei Stuttgart), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage sagte, sei Exodus fachlich nicht professionell genug gewesen. So habe man undifferenziert behauptet, Homosexualität allein mit Gebet umkehren zu können. Dies entspreche nicht dem tiefenpsychologischen Ansatz von Wüstenstrom. Gleichzeitig widersprach Hoffmann mit Nachdruck der Behauptung von Homosexuellenverbänden, dass es keine Möglichkeit zur Veränderung gebe und in ihrem Leben „alles gut“ sei.

Wüstenstrom betreut 300 Menschen

Wöchentlich erhalte Wüstenstrom Anfragen von vier bis fünf Menschen, die unter ihrer Homosexualität leiden und sich eine Änderung wünschen. Insgesamt betreue man etwa 300 Personen. Je älter die Betroffenen seien, desto schwieriger sei eine Umorientierung. Die Veränderungsrate bei unter 20-Jährigen liege bei 85 Prozent. Jenseits des 40. Lebensjahres fänden rund 30 Prozent zu einer Neuorientierung, 30 Prozent erführen eine teilweise Veränderung und der Rest keine. Dies entspreche in etwa den Erfahrungen mit anderen Therapien.

Exodus wurde immer profilloser

Ähnlich äußerte sich die Leiterin des „Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft“ (DIJG), die Ärztin Christel Vonholdt (Reichelsheim im Odenwald). Auch ihr Institut unterhält keine Verbindung zu Exodus. Es sei „traurig zu sehen, dass eine Arbeit, die gut begonnen hat, zunehmend profilloser geworden ist und sich immer mehr von einem fundierten christlichen Menschenbild verabschiedet hat“, so Vonholdt gegenüber idea. Das DIJG setze sich für „professionelle, psychodynamisch, tiefenpsychologisch und traumatherapeutisch orientierte Identitätsarbeit ein, was die Leitung von Exodus leider schon vor vielen Jahren explizit abgelehnt hat“.

Viele leiden unter ihrer Homosexualität

Auch Vonholdt widersprach der Behauptung, dass Homosexualität „angeboren“ sei. Vielmehr entstünden homosexuelle Gefühle – wie alle menschlichen Gefühle – im Wesentlichen im Zusammenhang mit der eigenen Lebensgeschichte. Daher sei es möglich, dass Menschen, die ihre Homosexualität als „zutiefst nicht für sie passend“ empfänden, eine deutliche Abnahme ihrer homosexuellen Gefühle erfahren könnten. Die geschehe in der Beratung aber immer indirekt durch eine emotionale Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte. Die Erfahrung des Instituts zeige zudem, dass viel mehr Menschen unter ihrer homosexuellen Neigung leiden, als man gemeinhin annehme. Sie litten auch unter den Realitäten vieler homosexueller Lebensstile, etwa der sexuellen Freizügigkeit. Wenn sie Veränderung suchten, erlebten sie mittlerweile viel Unverständnis bis hin zu Anfeindungen durch ihre Umgebung. Das DIJG setze sich für das Recht jedes Menschen mit für sie persönlich „nicht passender“ Homosexualität ein, konstruktive Wege zur Abnahme homosexueller Gefühle zu gehen.

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