lichtmeszMartin Lichtmesz

manif26 150x100 Frankreich und die Sorgen des Nils MinkmarHundertausende Demonstranten gingen in Frankreich am 26. Mai auf die Straße, um der Einführung der „Ehe für Alle“, der sogenannten „Homo-Ehe“, eine „Manif pour tous“, eine „Demonstration für Alle“ entgegenzusetzen. Die Bilder aus Paris sind in der Tat erstaunlich – in Deutschland wäre dergleichen Mobilisierungspotenzial und Enthusiasmus für eine konservative Sache kaum vorstellbar.

Auffällig und erfreulich ist auch die offensichtlich hohe Anzahl an jungen Menschen unter den Demonstranten. Mit dabei waren auch Aktivisten des Bloc Identitaire, die dieTerrasse der sozialistischen Parteizentrale stürmten und ein großes Banner entrollten: „Hollande Démission!“  – „Hollande, tritt zurück!“.

Der Parteivorsitzende Harlem Désir sprach daraufhin von einem „Angriff auf die Demokratie“. Dem setzen die Identitären entgegen:

Für uns bedeutet der einzige wahre Angriff auf die Demokratie, wenn dem französischen Volk ein Gesetz aufgezwungen wird, das von einer winzigen Minderheit gewollt und befördert wurde! – Pour nous, la seule vraie atteinte à la démocratie, c’est d’imposer au peuple français une loi voulue et promue par une infime minorité !

Wie nicht anders zu erwarten, bereiteten nicht-linke Massenproteste in diesem Ausmaß der hiesigen Presse erhebliche Bauchschmerzen. Dementsprechend wurde aus allen Rohren gefeuert, um die Demonstrationen in ein ungünstiges Licht zu setzen.

Zu diesem Zweck wurden vereinzelte Randale am Rande der Demo überproportional aufgeblasen, um das Zerrbild von „Ausschreitungen“, „Krawallen“ und „Gewaltausbrüchen“ aufkommen zu lassen, als wären vor allem diese repräsentativ gewesen – was natürlich, da ginge ich jede Wette ein, alles ganz paperlapapp oder ganz doll wie einst im „Mai 68″ wäre, kämen die Proteste von linker Seite.

In diesem Falle würde sich mit Sicherheit wie von selbst die Frage nach einem etwaigen Fehlverhalten der Polizei aufwerfen. Was genau passiert ist, und wer randaliert hat, geht es aus den Berichten kaum hervor. Die FAZ schreibt dazu – und man darf wohl die Ohren spitzen – :

Nach der Großkundgebung in Paris gegen die Homoehe hat die Polizei am Abend unter Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken hunderte von Demonstranten von den Champs-Elysées vertrieben. Mehrere Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, dass die Polizei gegen die Demonstranten mit großer Härte vorging. Einige Demonstranten knieten nieder und schrien: „Demokratie!“

Wer von den Revoluzzern von 1968 hätte sich das wohl träumen lassen! Im Jahre 2013 geht eine sozialistische Regierung mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Massen von „reaktionären“, „bourgeoisen“ Demonstranten los, die für den Schutz von Ehe und Familie eintreten!  Es ist wohl nicht allzu boshaft, anzunehmen, daß hier so manch feuchter Traum in Erfüllung gegangen ist. (Der jüngst verstorbene Otto Mühl hätte gewiß auch seine Freude daran gehabt).

Die FAZ zitiert auch offizielle Stellungnahmen aus dem französischen Wahrheitsministerium:

Innenminister Manuel Valls sagte, die Demonstration sei „aus dem Ruder gelaufen“. Die Veranstalter seien „überfordert“ gewesen, weil „extremistische Gruppen“ an den Protesten teilnahmen. Mehrere dutzend Demonstranten seien in Gewahrsam genommen worden. Valls sagte, zur Absicherung der Großkundgebung seien 2000 Polizisten im Einsatz gewesen.

Valls zeichnet, so nebenbei gesagt, persönlich verantwortlich für den Einsatz von Tränengas gegen die Demonstranten, was ihm den Spitznamen „Manuel Gaz“ verschafft hat. Wenn nun ein sozialistischer Innenminister, der den „Manifs pour tous“ alles andere als neutral gegenüber steht (und diese ihm), oppositionelle Gruppen als „Extremisten“ klassifiziert, dann muß es wohl stimmen, n‘est-ce pas?

Und während die Demonstrationen insgesamt offensichtlich keineswegs „aus dem Ruder gelaufen“ sind,  nehme ich einmal in all meiner bescheidenen Ignoranz an, daß es für interessierte Seiten ein altbekannter Klacks ist, diverse „agents provocateurs“ in Demonstrationen einzuschleusen, um ein paar Stromschnellen in Gang zu bringen.

Den Vogel in der deutschen Berichterstattung schoß wie gewohnt die „Aktuelle Kamera“(aka „Spiegel online“) ab, wo etwa ein Videobericht über die Demos mit folgenden Worten eingeleitet wurde: „Frankreich ist in diesen Tagen ein geteiltes Land. Während Menschen landesweit gewaltsam gegen die Einführung der Homo-Ehe protestieren, und dabei gezielt Andersdenkende und Journalisten angreifen“…. geben sich in Cannes die hübschen jungen Hauptdarstellerinnen eines Films über eine „lesbische Liebesgeschichte“ Küßchenküßchen und ballen wacker die Mädchenfäuste, während sie unter dem Jubel der Showbiz-Schickeria ihren Gesinnungspreis entgegennehmen.

Mit solchen Mitteln wären mal wieder auch für den letzten Dummi die Guten und die Bösen auseinander sortiert.  Man kann indes die Stirn auch subtiler in die Falten legen, wie es Nils Minkmar in der (bei so manchem Nostalgiker immer noch als „konservativ“ geltenden) FAZ tat.  Er macht sich große „Sorgen“ und sieht die „Gefahr“ einer Radikalisierung und bürgerkriegsartiger Spannungen heraufziehen.

Auch in der High-Brow-Fassung stehen wieder die Schönen, Zeitgemäßen und Fortschrittlichen den Häßlichen, Ewiggestrigen und Bornierten gegenüber, wenn auch leicht ironisch gebrochen:

Die politische Landkarte Frankreichs spottet nach wie vor allen postmodernen Theorien vom Ende der Ideologien und der geringeren Bindekraft der großen Erzählungen; sie sieht auch heute noch so aus wie vor über zwei Jahrhunderten. Historiker verwenden den Begriff der Deux Frances: Einmal gibt es in den Provinzen das ländlich-katholische Frankreich der Handwerker, kleinen Selbstständigen und Notablen mit seiner gemütlichen, aber tendenziell intoleranten bis bornierten Weltanschauung.

Ihnen gegenüber stehen in der Metropole die nervösen, urbanen Wissenschafts-und Fortschrittsgläubigen, die immer zu hochtourig durch Paris rasen, das sie für den Mittelpunkt der Welt halten. Dieser politisch-kulturelle Gegensatz, der zahllose Romane und Komödien inspirierte, ist in Frankreich so alt wie die Moderne, wie die Revolution: Die einen wollen zurück in die Beschaulichkeit, in eine Zeit ohne Hamburgerketten und bekennende Homosexuelle, den anderen geht der Fortschritt nie weit genug.

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Man kann auch sagen, daß dieser neue-alte Spalt in der französischen Nation zwischen den Parteigängern der „Republik“ als „Willensnation“ und jenen des „Vaterlandes“ verläuft. Wobei es heute klarer denn je zuvor ist, daß die erstere Ideologie aktiv die historische, kulturelle und institutionelle Substanz der Nation untergräbt und damit schnurstracks zu ihrer Fragmentierung und Auflösung führt, die bereits jetzt erheblich fortgeschritten ist.

Aber diese Politik, die auf einen historisch beispiellosen „Bevölkerungsaustausch“ zusteuert (der Schriftsteller Renaud Camus spricht in einem vieldiskutierten Buch von einem „grand replacement“), ist natürlich nicht „extremistisch“, genausowenig wie die Betreiber dieser im Wortsinne „radikalen“ Politik wie Hollande, Valls, Désir oder Taubira „Extremisten“ sind. „Extremist“ ist nur, wer ihre Politik kritisiert und opponiert.

„Extremisten“ sind offenbar auch die zahlreichen algerischen, marokkanischen, kamerunischen und anderen Nationalisten nicht, die auf dem Place de la Bastille, ihre nationalen Fahnen schwenkend, enthusiastisch Hollandes Wahlsieg feierten. Einige von diesen bereiten sich bereits jetzt in freudiger Erwartung auf ein in wenigen Jahrzehnten islamistisch regiertes Frankreich vor (eine Vorstellung, die angesichts der geschmackvollen Auftritte von „Femen“ freilich auch ihre sonnigen Seiten hat.)

Minkmar blickt auf die Frage nach der „Homo-Ehe“ durch die (wie immer seltsam harmlos-pink getönte) Brille des typischen Liberalen, der nichts weiter anerkennen will als „Individueen“ und ihre „individuellen Rechte“, weshalb ihm auch der Sinn und das Fundament der Gegenposition völlig verschlossen bleibt.

Soweit die politische Folklore, doch dieser Tage kommt noch etwas anderes hinzu. Das Recht auf Eheschließung ist ein persönliches und individuelles Recht. Wenn zwei Menschen sich entscheiden zu heiraten, dann mag das gerade noch jene betreffen, die auch gern einen der beiden geehelicht hätten, ansonsten aber bleiben alle anderen davon unberührt. Es wird niemandem etwas aufgezwungen oder weggenommen, schon gar keinem Kind.

Um den Protest emotional aufzuladen, bis hin zu diesen Auswüchsen von Gewalt, die man am Sonntag sehen konnte, reicht die bloße Ablehnung einer gleichgeschlechtlichen Ehe für sich selbst also nicht aus. Dazu braucht man den Hass, zuerst natürlich auf Schwule und Lesben, dann auf Freimaurer und auf Linke.

Natürlich! Grundloser, gräßlich-häßlicher „Haß“ muß mal wieder an allem schuld sein, was denn sonst! Anders läßt sich das Bösmenschentum der Demonstranten ja gar nicht rational erklären. Wie kann man nur so gemein sein, „Schwulen und Lesben“ die Eheschließung zu verweigern? Oder wie kann man bloß etwas gegen Linke haben, bekanntlich Menschen, die wie Monsieur Désir immer grundgute und liebevolle Absichten haben, keinerlei Ressentiments und Vorurteile kennnen und gar niemals häßlich hassen, schon gar nicht die Menschen des 26. Mai und die Ideen und die Milieus, für die sie stehen.

Im nächsten Absatz vergleicht Minkmar die Demonstranten mit den „Extremisten der amerikanischen Tea Party-Bewegung“. Das ist wieder einer dieser absurden Prawdaismen, die von der deutschen Journaille filterlos geschluckt und in Umlauf gesetzt werden. Wenn nun schon sogar die biedere Tea-Party-Bewegung „extremistisch“ ist, dann sind meine Oma und ihr Pudel mindestens so gefährlich wie die Al-Qaida. Aber damit enden die Parallelen nicht. Auch „die Argumente“ der französischen Demonstranten seien, so Minkmar weiter, „ähnlich verworren“ wie bei der Tea Party.

Leider ist aus dem Artikel nicht ganz ersichtlich, was genau Minkmar für „verworrene“ Argumente hält. Die ulkige Idee, daß die Institution der Ehe dazu da sei, um irgendwelche „individuellen“, also rein privaten Verträge abzuschließen und Wünsche zu erfüllen, und sonst nichts weiter, will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen, zu entwirren.

Schauen wir lieber auf das Offensichtliche: selbstverständlich wird und soll hier etwas „weggenommen“ werden, was nur diejenigen nicht merken, die in der Blase ihrer individuellen Individualexistenz individuell existieren und an dieser Stelle nichts mehr haben, was man ihnen wegnehmen könnte.

Worum geht es hier eigentlich? Homosexuelle stellen in der Bevölkerung nur einen sehr kleinen Prozentsatz; von diesen ist es wiederum nur eine Minderheit, die meines Wissens allen Ernstes ein Bedürfnis nach einer „Eheschließung“ hat. Wobei ich den Eindruck habe, daß das eher aus Gründen der Eitelkeit, der Status- und Machtausweitung und des Ressentiments geschieht.

Und wenn schon unter den sogenannten „Heterosexuellen“die Scheidungsraten heute enorm hoch sind, dann frage ich mich, wie das dann unter den Homosexuellen aussehen wird, die im Durchschnitt für ihre Promiskuität und ihren häufigen Partnerwechsel berüchtigt sind, und bei denen langjährige, monogame Partnerschaften eher die Ausnahme stellen.

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Vor allem fragt es sich, warum denn um alles in der Welt die homosexuelle Lebensweise nun plötzlich in das Imitat einer bürgerlichen Form und Institution gegossen werden soll, und welchem Zweck das dienen soll.  Homosexualität galt bei vielen Künstlern und Schriftstellern des letzten Jahrhunderts, von Hans Blüher, John Henry Mackay, Oscar Wilde, T. E. Lawrence bis zu William S. Burroughs, Yukio Mishima oder Pier Paolo Pasolini eher als Gegenentwurf zu bürgerlichen Daseinsformen, oft als mit Stolz getragenes Kainszeichen des Außenseitertums.

Beziehungen zwischen Männern haben eine andere erotische Dynamik als Beziehungen zwischen Mann und Frau. Der „Männerbund“ ist qualitativ und atmosphärisch etwas ganz anderes als die Familie, und Bündnisse zwischen Männern, auch erotische, verlangen dementsprechend nach anderen ästhetischen Formen. Dies hat etwa der homosexuelle Schriftsteller Jack Donovan in seinem Buch „Blood Brotherhood“ recht überzeugend dargelegt.

Dagegen wirkt der Auftritt von Frankreichs offiziell erstem homosexuellen „Brautpaar“Bruno und Vincent, der in der Weltpresse zelebriert wird wie die Mondlandung von Armstrong („Ein großer Schritt für die Menschheit!“), eher wie eine Persiflage bürgerlicher Hochzeitszeremonien, wie ein subversiver Gag ganz im Stile der unter Schwulen so beliebten Ästhetik des „Camp“.

Bruno und Vincent, die schwulen, befrackten, kurios identisch aussehenden Marzipanfiguren auf der Torte der liberalen Dauerparty, werden zu den Symbolgestalten eines Kultes stilisiert, dessen ikonoklastische Absicht nicht zu übersehen ist. Sie spielen zum Gaudium der Gesellschaft des Spektakels „Brautpaar“, und später werden sie vielleicht wie die Groteskenkaiser Elton John und David Furnish, die mithilfe teuer eingekaufter Leihmütter „Eltern“ geworden sind, „Familie“ spielen.

Dieser mitunter skurrile Geschmack nach Parodie oder „Life Ball“-Event wird wohl auch bei der zigsten schwulen Hochzeit nicht vergehen. Gut möglich, daß mit der Zeit immer weniger Schwule Lust auf Hochzeits-Shows dieser Art haben werden, wenn erstmal der Rausch und die Novität der Emanzipationsfete verflogen sein werden.

Ich glaube indes kaum, daß die „Homo-Ehe“ dazu führen wird, daß sich die einschlägig interessierten Schwulen nachher auf die Dauer „befreiter“ oder glücklicher fühlen werden als zuvor. Das tägliche Gejammer über angebliche „Homophobie“ ist schließlich für manche unter ihnen so lebensnotwendig wie Luft und Wasser. Nachdem die Konfettitüten geplatzt sind, wird wohl wieder die allgemeine Banalität einkehren, und darunter wird vor allem die ohnehin schon schwer angeschlagene Instititution der Ehe leiden.

Man kann leicht erkennen, daß es den Lobbyisten der Homo-Ehe vorrangig auf eben diesen Eingriff auf der symbolischen (also: sinn-, würde- und verantwortungsstiftenden) Ebene ankommt. Das hat nur wenig zu tun mit all den Geschichten über das Recht auf Krankenhausbesuche und familienrechtlichem Status und Erbrechtfragen und ähnlichen Dinge, die man ohne viel Aufwand zivilrechtlich regeln könnte. Dinge, die übrigens selbst von „Frigide Barjot“, der angeblich so „extremistischen“ Initiatorin der Demonstrationen befürwortet werden. Doch gerade das genügt den Lobbyisten nicht. Denn ihr Ziel ist ein anderes, viel tiefer gehendes.

Nun mag man fragen, wenn voraussichtlich ohnehin nur eine Minderheit unter einer Minderheit das neue Eheschließungs- und Adoptionsgesetz in Anspruch nehmen wird, warum dann all der Widerstand? Was kann denn dann schon Schlimmes passieren? Halten wir also fest: Die „Homo-Ehe“ hat im Grunde weder mit Homosexuellen noch mit der Institution „Ehe“ irgendetwas zu tun. Sie hat keinen anderen Zweck, als dassymbolische Bild der Ehe zu relativieren, zu nivellieren und zu „dekonstruieren“, ihren bisherigen Begriff ad absurdum zu führen.

Das bedeutet aber nichts weniger als einen Angriff auf ihre Substanz und damit ihrenSinn. Die „Homo-Ehe“ ist nichts weiter als die vorgeschickte Schachfigur eines linken, radikal-egalitären Kulturkampfes, der darauf abzielt, der Gesellschaft einen weiteren „reaktionären“ Ast endgültig abzusägen. Die eigentliche Zielscheibe dieser Agenda ist nicht auf den ersten Blick sichtbar. Wer sich ihr entgegengestellt, wird bequem mit dem Verdacht ausgeschaltet, er könne ein grundgarstiger Mensch sein, der grundlos gemein zu Schwulen und Lesben ist. Aber frei nach Clemenceau muß man hier sagen:  „Le mariage gay est un bloc.“

Es ist nicht daran zu zweifeln, daß sehr viele Demonstranten, die am 26. Mai auf die Straßen von Paris gingen, diesen Angriff vor allem auf einer emotionalen Ebene wahrnehmen, und hier freilich mit Angst und Abwehrreflexen reagieren. Aber ihre Ängste sind berechtigt. Es geht hier tatsächlich darum, das traditionelle Symbolbild der Ehe auch noch jenen zu entreißen, für die es eine fundamentale Bedeutung hat, für die es noch heute mehr ist, als ein bloßer individueller Privatvertrag zur Privatunterhaltung für Privatindividueen. (In der Tat: wenn diese Gesellschaft überleben will und ihren inneren Kern bewahren, sollte sie sich eben diese Haltung schleunigst wieder zu eigen machen.)

Minkmar schließt seinen Beitrag mit der kuriosen Behauptung, „der Angriff auf die Ausweitung des Rechts, die Ehe zu schließen“, sei „unlogisch“. „Logisch“ ist „die Ausweitung des Rechts, die Ehe zu schließen“ allerdings nur im Rahmen eines rein quantitativen, radikalegalitären Bezugssystems, das so viele Ebenen der Wirklichkeit ausblendet, daß es aufhört, in einem umfassenderen Sinne „rational“ zu sein, ja unsinnig wird.

Vor allem müßte Mr. Spock hier zuerst beantworten, was denn überhaupt an der ursprünglich religiösen Idee der Ehe in seinem Sinne „logisch“ ist, oder was für einen rein „logischen“, nämlich ökonomisch-gesellschaftlichen Nutzen denn die „Homo-Ehe“ haben soll, die bekanntlich keine Kinder hervorbringt. (Das Argument, daß Homosexuelle doch Kinder adoptieren könnten, wäre dann in etwa aus derselben Sparte wie der berühmte „Loretta“-Dialog der „Judäischen Volksfront“ „Volksfront von Judäa“ aus dem Kultfilm „Das Leben des Brian“.)

Minkmar schließt seinen Text mit dem Satz:

Dies ist die neue Allianz: alte Reaktion und neuer rechter Nihilismus, vereint durch ihre Ablehnung der Moderne und der Rationalität. Es gibt Grund zur Sorge.

„Grund zur Sorge“ gibt wohl eher der bedenkliche Geisteszustand der liberalen Intellektuellen, die das Eintreten für Ehe und Familie nicht nur für „reaktionär“ (was für ein drollig antiquiertes Wort!), sondern inzwischen offenbar auch noch für „nihilistisch“ halten. Das ist originell, paßt aber freilich in ihre auf den Kopf gestellte, im Wortsinn „pervertierte“ Welt.

Für alle, die die Füße in der richtigen Position haben, sieht die Sache freilich ganz anders aus: gerade der maßlose Kult um die „Homo-Ehe“ hat nicht das geringste mit „Rationalität“ zu tun, sondern ist vielmehr nur ein weiteres pseudoreligiöses Versatzstück der herrschenden liberalistischen Heilsutopie.

aus: http://www.sezession.de/39080/frankreich-und-die-sorgen-des-nils-minkmar.html

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