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Öffentliche Kritik von Politikern an der „Ehe für alle“, umgangssprachlich auch Homo-Ehe genannt, ist selten, und wenn man sie hört, dann kommt sie auch nicht gerade frech und offensiv daher, sondern eher entschuldigend und defensiv. Da verdient ein deutliches Wort schon Würdigung, weil es deutlich ist. Sonst lässt die Debatte jegliche Spannung und jeden Unterhaltungswert vermissen. Auch weil allenthalben zu lesen und zu hören ist, dass sich die „Ehe für alle“ letztlich gar nicht verhindern lässt. Das Bundesverfassungsgericht und neue Mehrheiten werden schon dafür sorgen.

Kritiker der Homo-Ehe haben es wirklich schwer, denn jeder in dieser Richtung ausgesprochene oder niedergeschriebene Gedanke wird von medienerfahrenen Zeitgenossen schnell und wirkungsvoll in homophobe, rechte Hetze uminterpretiert. Die allgemeine Empörung folgt dann wie der Donner dem Blitz bei einem Gewitter. Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer musste das kürzlich nach einem kurzen Interview erfahren (mehr dazu hier).

Das klare Statement der erzgebirgischen CDU-Bundestagsabgeordneten Veronika Bellmann verhallte allerdings ohne empörte Reaktion: „Manches ist eben nicht eine Frage der politischen Kultur, sondern der Gott gegebenen Natur. Will die SPD jetzt Gott, die Natur, die Biologie oder wen auch immer wegen Diskriminierung verklagen, weil sie auf den diskriminierenden Einfall gekommen ist, die Fortpflanzung der Menschheit nur durch das Zusammenwirken von Mann und Frau für möglich zu erklären? An dieser fundamentalen Diskriminierung kann nicht einmal das Bundesverfassungsgericht etwas ändern, geschweige denn ein auf Zeit gewählter Parlamentarier. Es sei denn, man richtet hemmungslos den Blick gleich weiter vom Recht auf umfassende Gleichstellung bezüglich der Ehe für Gleichgeschlechtliche, auf das Recht auf Kinder durch künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft, Retorten- und Designerbabys und so weiter und so fort.“[1]

Zwar ist die Schöpfung in der Tat nicht durch ein Verfassungsgerichtsurteil zu ändern, doch Frau Bellmann dürfte mitbekommen haben, dass dennoch wo es möglich ist, jeder Unterschied, der nicht beseitigt werden kann, wenigstens wegdefiniert wird. Auch die Sprache wird entsprechend „geschlechtergerecht“ verändert und mit der Bibel auch Gottes Wort. Aber wir wollen doch nicht, dass auch Frau Bellmann nun die defensiven Töne anschlägt.  Sie plagiiert lieber die einzige bleibende Leistung des einstigen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, nämlich seinen berühmten Halbsatz: „Ja, auch Gleichgeschlechtliche können dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen – und das ist gut so! Rot-Grün hat seinerzeit eigens ein neues Institut geschaffen, damit der Ehebegriff nicht auf gleichgeschlechtliche Paare anwendbar ist und die Ehe mitnichten gesetzlich erweitert – und auch das ist gut so!“

Aber was dann folgt, zeigt ein Weltbild, dass im Schulunterricht in rot-grün regierten Bundesländern aktiv bekämpft wird: „Bezüglich der Familienbildung gilt für mich immer noch, dass Kinder nur aus einer Verbindung hervorgehen können, in der der Vater = Mann und die Mutter = Frau ist. Darüber hinaus hat die Ehe zwischen Mann und Frau mit Blick auf die Kinder und die Zukunft unseres Volkes einen besonderen Rang. Das ist unbestreitbar und weder unmodern, noch unrealistisch, sondern zeitlos gültig. Nur in der Beziehung zwischen Mann und Frau können Kinder gezeugt werden.“ Das ist ja richtig, nur da der Staat auch kinderlose Ehen unterstützt, Vater-Mutter-Kind-Familien ohne Trauschein hingegen nicht, sollte uns eine andere Diskussion wichtiger sein, als die „Ehe für alle“. Der Staat muss in Kinder und ihre Mütter und Väter investieren. Familien mit Kindern – natürlich auch Alleinerziehende – und nur Familien mit Kindern sollte die besondere Fürsorge des Staates gelten. Das paarweise Zusammenleben, in dem ausschließlich Erwachsene für sich Verantwortung übernehmen, ist sicher eine schöne Sache, doch muss nicht subventioniert werden.

Wenn das geschafft wäre, würde die Diskussion über die „Ehe für alle“ sicher entspannter verlaufen, denn außer beim Adoptions- und Erbrecht ginge es nur um persönliche Angelegenheiten, die die Öffentlichkeit kaum aufregen. Ich gebe zu, ich bin, was das Adoptionsrecht angeht, gespalten. Veronika Bellmann wahrscheinlich nicht. Sie findet, dass die Homo-Ehe als politisches Thema zu wichtig genommen wird und ist empört, dass selbst in Sachsen vor sozialdemokratischen Ministerien Regenbogenflaggen wehen. „Schließlich repräsentiert auch ein Ministeriumsgebäude die Regierung und ist kein SPD-Parteigebäude. Das kann die SPD meinetwegen frei nach Christo mit Regenbogenfahnen vollständig verhüllen. Wenn Sie denkt, sie kann damit auf Stimmfang gehen, bitteschön. Offenbar gibt es für die Genossen nichts Wichtigeres in der Innen-und Außenpolitik als das?!

Ich halte das Ganze auch langsam für eine Diskriminierung – aber nicht eine der 30.000 gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder der vier bis sechs Millionen Homosexuellen, sondern eine der 19 Millionen Ehen in diesem Lande (380.000 Eheschließungen pro Jahr) und aller heterosexuellen Partnerschaften.“

Dass zwischen Hetero- und Homosexuellen einmal die Mehrheitsverhältnisse Erwähnung finden, ist sicher ganz hilfreich, denn nach dem irischen Referendum hatte man beim Lesen der deutschen Presse in der Tat das Gefühl, man habe es mit einer Schicksalsfrage für die Zukunft der Welt zu tun. Aber selbst diejenigen, für die das eine zentrale Frage ist, verhalten sich rätselhaft. Während Annegret Kramp-Karrenbauer von einer Aktivistin gleich eine Strafanzeige erntete und das kleine Interview in der Saarbrücker Zeitung zum Gegenstand überregionaler Berichterstattung wurde, schaffte es die sächsische Bundestagsabgeordnete mit viel „reaktionäreren“ Aussagen nicht einmal zu regionaler Empörung.

Vor allem aber sollten die homosexuellen Ehe-Liebhaber sich fragen, ob sie sich bei der gegenwärtigen Gesetzgebung eigentlich wirklich etwas Gutes tun, wenn sie in die Ehe drängen. Umgekehrt klagt gerade ein heterosexuelles Paar vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Diskriminierung, dass sie keine Eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen dürfen. Die finden sie viel vorteilhafter als die Ehe (mehr dazu hier). (Stephan Friedrichs)

[1] Alle Zitate kommen aus dieser Quelle: http://www.veronika-bellmann.de/inhalte/1/aktuelles/85284/ehe-beliebig-im-zeichen-des-regenbogen-/index.html

aus: http://sichtplatz.de/?p=3281

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