Als erste Klinik auf dem europäischen Festland bietet das Universitätsspital Basel ab Juli die sogenannte Microsort-Methode an – ein patentiertes Verfahren einer US-Firma, bei dem die Spermien vor der Verschmelzung mit der Eizelle nach X- und Y-Chromosomen sortiert werden. So können die Ärzte das Geschlecht der Sprösslinge mit grosser Wahrscheinlichkeit in die eine oder andere Richtung lenken, wie Unispital-Sprecherin Sabina Heuss einen Bericht der «Basler Zeitung» bestätigt.

Anders als in anderen Ländern können Schweizer Eltern jetzt aber nicht einfach das Geschlecht ihres Babys wünschen. Laut dem Fortpflanzungsmedizingesetz ist die Auswahl von Keimzellen nur dann erlaubt, wenn die Gefahr, dass eine schwere, unheilbare Krankheit auf die Nachkommen übertragen wird, anders nicht abgewendet werden kann. Es muss also ein Gendefekt vorliegen, der bei den Nachkommen schwere Krankheiten auslösen kann. Zum Beispiel brechen verschiedene Formen der Muskelschwäche oder die Bluterkrankheit nur bei Männern aus – in einem solchen Fall würde man sich für ein Mädchen entscheiden.

Ein Grund für die Einführung des Angebots ist der Fall einer jungen Schweizerin mit Kinderwunsch. Diese ist Trägerin eines Gendefekts, der bei Männern zu einer angeborenen, fortschreitenden Muskelschwäche führen kann. «Die Frau wusste von der genetischen Belastung, da ihre Brüder erkrankt sind, einer der beiden ist bereits daran verstorben», sagt Christian De Geyter, Chefarzt Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am Unispital. Die Ärzte liessen die Spermien ihres Partners in den USA sortieren. Danach brachte die Frau ein gesundes Mädchen zur Welt.

«Da kam uns der Gedanke, es wäre sinnvoll und einfacher, die Methode auch hier bei uns anzubieten», sagt De Geyter. Zudem habe man die nötige Apparatur zufälligerweise als Preis in einem wissenschaftlichen Wettbewerb gewonnen. In Basel geht man davon aus, dass monatlich rund sieben Frauen das neue Angebot in Anspruch nehmen werden – erwartet werden Patientinnen aus ganz Europa und sogar Afrika.

«Kein Eingriff in entstandenes Leben»

Obwohl die Ärzte mit der Spermiensortierung in den Lauf der Natur eingreifen, hat der Ethische Beirat des Unispitals keine Einwände gegen die Methode. Auch Effy Vayena vom Institut für Biomedizinische Ethik an der Universität Zürich sieht kein Problem. «Vielerorts sieht man die Geschlechterbestimmung gar nicht so kontrovers. Sie findet vor der Befruchtung statt, greift also nicht in entstandenes Leben ein.»

Immerhin werde so verhindert, dass man einen Defekt erst während der Schwangerschaft feststellt, sodass man die Problematik einer allfälligen Abtreibung umgehen könne. Chefarzt De Geyter würde es aber ablehnen, wenn Eltern mit der Methode einfach ihr Wunsch-Baby kreieren könnten: «Man muss nur einmal nach China schauen. Weil sich dort fast jeder einen Knaben wünscht, hat das Land einen Männerüberschuss von mehreren Millionen Menschen.»

aus: http://www.20min.ch/schweiz/basel/story/Eltern-koennen-Geschlecht-des-Babys-festlegen-11164010

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